Ausgewähltes, Gedanken, Notizen
Journalismus lebt von Beobachtung, Analyse und Einordnung. Auf dieser Seite versammle ich aktuelle Texte – manche nah an der Tagesaktualität, andere mit längerem Atem. Hier erscheinen Essays, Kommentare und Berichte, die berufliche Recherche mit persönlicher Perspektive verbinden. Die neuesten Beiträge stehen oben, thematische Schwerpunkte ordnen sich darunter. Ein Archiv journalistischer Arbeit – stets im Wandel.
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„Was ihr wollt“ im Berliner Ensemble
Am Berliner Ensemble zeigt Regisseur Antú Romero Nunes seine Version von Shakespeares „Was ihr wollt“. Es wird zum generationenverbindenden Theaterabend, das die Grenzen zwischen Verwechslungsspiel und Insta-Ästhetik verwischt. Mit der Besetzung gelingt dem BE eine präzise und trotzdem zugängliche Inszenierung. Die Bühne von Matthias Koch kommt… Weiter lesen
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Ökonomie des Mitgefühls: Brechts Bettler-König Peachum über Berlins Straßen
Mitleid nutzt sich ab – das weiß schon Jonathan Jeremiah Peachum, Bettler-Großunternehmer in Bertolt Brechts Dreigroschenoper. Doch es gibt Leid, das sich nicht abnutzen lässt: transformatives Leid, das einen Menschen dauerhaft verändert. Eine Theaterbetrachtung über Barrie Koskys Inszenierung des Brecht-Klassikers am Berliner Ensemble – und die… Weiter lesen
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Seeheimer-Chef will Pragmatismus
Esra Limbacher (SPD) führt seit September den einflussreichen Seeheimer Kreis. Der neue SPD-Fraktionsvize für Wirtschaft und Klimaschutz will in der Großen Koalition Gemeinsamkeiten betonen – und die Landwirtschaft aus der politischen Randlage holen. Die Arbeitsräume im Jakob-Kaiser-Haus sind noch provisorisch eingerichtet. Alte SPD-Plakate hängen an den… Weiter lesen
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Vanessa Zobel: „Biomasse ist unser Erneuerbare-Energien-Schnellboot“
Biomassepaket, Bürokratie, Energiewende: Vanessa Zobel (CDU) aus Bremervörde in Niedersachsen ist Energiepolitikerin und Berichterstatterin für Biomasse, mit ihr sprach ich über über Flexibilisierung, Förderung und den Konflikt mit marktwirtschaftlichen Prinzipien. Vanessa Zobel kommt mit schnellem Schritt und freundlich strahlendem Gesicht den Gang zu ihrem Büro in… Weiter lesen
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Esra Limbacher: „Wirtschaft nicht stiefmütterlich behandeln“
Der 36-jährige Jurist Esra Limbacher ist seit diesem Jahr stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD und zuständig für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz. Als neuer Sprecher des einflussreichen Seeheimer Kreises prägt er maßgeblich die agrarpolitische Linie der Sozialdemokraten mit. Im Interview erklärt er, warum Ernährungssicherheit zur Resilienz gehört und… Weiter lesen
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Materielle Teilhabe als Voraussetzung für Verteidigungsbereitschaft
Im beginnenden Sommer dieses Jahres kam ich an der Julius-Leber-Kaserne in Berlin an, einer militärischen Liegenschaft am ehemaligen Flughafen Tegel gelegen und Sitz von mehr als 130 Dienststellen der Bundeswehr. Auch das Bundesministerium der Verteidigung hat dort einen Ausweichsitz, sowie auch zahlreiche Stäbe dort hinter einer… Weiter lesen
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Linkspartei tanzt auf bröselndem Fundament
Harald Wolf feiert den Bundestagswahlkampf der Linken als geschickten „Tanz auf Triggerpunkten“. Doch seine Erfolgsdiagnose übersieht die strukturelle Erosion der Partei in Ostdeutschland. Während Wolf taktische Manöver bejubelt, erobert die AfD einen Wahlkreis nach dem anderen in den einstigen Stammgebieten der Linken. Eine Analyse der Entfremdung.… Weiter lesen
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Mit Fotos politischen Journalismus rahmen
Politiker haben ein Bild von sich und eine Vorstellung, wie sie wirken wollen – als Journalist ist das nicht immer zu durchbrechen. Mit interessanten Fotos kann man aber eine relevante journalistische Geschichte erzählen und eine Schere zwischen Text und fotografischem Subtext gezielt nutzen. So kann Journalismus… Weiter lesen
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Mönche müssen im Erzbistum Berlin weichen
Bekanntlich wuchs ich in Berlin auf und habe auch einige Orte, die mir etwas bedeuten. Viele sind schon längst verschwunden oder haben an Bedeutung verloren – so ist das KaDeWe von gar keinem Interesse mehr für mich, aber der Alexanderplatz, liebevoll schlicht Alex genannt, hat enorm… Weiter lesen
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Schlachthof-Theater an der Spree
Es ist ein Dienstagabend in Berlin. In einem altehrwürdigen Haus an der Spree wird ein Theaterstück dargeboten, das die Wirtschaftskrise der Dreißigerjahre und die Funktionsweise von Wettbewerb und komplexe Warentermingschäfte beschreibt, das elende Dasein einfacher Arbeiter in der Fleischindustrie von Chicago, um den Wohlstand der Arbeitgeber… Weiter lesen
Kolumnen
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Linkspartei tanzt auf bröselndem Fundament

Harald Wolf feiert den Bundestagswahlkampf der Linken als geschickten „Tanz auf Triggerpunkten“. Doch seine Erfolgsdiagnose übersieht die strukturelle Erosion der Partei in Ostdeutschland. Während Wolf taktische Manöver bejubelt, erobert die AfD einen Wahlkreis nach dem anderen in den einstigen Stammgebieten der Linken. Eine Analyse der Entfremdung. Der Beitrag „Auf Triggerpunkten tanzen“,…
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Mönche müssen im Erzbistum Berlin weichen

Bekanntlich wuchs ich in Berlin auf und habe auch einige Orte, die mir etwas bedeuten. Viele sind schon längst verschwunden oder haben an Bedeutung verloren – so ist das KaDeWe von gar keinem Interesse mehr für mich, aber der Alexanderplatz, liebevoll schlicht Alex genannt, hat enorm an Bedeutung gewonnen. Das Katharinenstift…
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Schlachthof-Theater an der Spree

Es ist ein Dienstagabend in Berlin. In einem altehrwürdigen Haus an der Spree wird ein Theaterstück dargeboten, das die Wirtschaftskrise der Dreißigerjahre und die Funktionsweise von Wettbewerb und komplexe Warentermingschäfte beschreibt, das elende Dasein einfacher Arbeiter in der Fleischindustrie von Chicago, um den Wohlstand der Arbeitgeber zu mehren. Ein Kartell, das…
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Liliom: Ein Gauner im Fegefeuer

Ferenc Molnárs „Liliom“ am Berliner Ensemble berührt das Herz und wirft zugleich gewichtige Fragen auf. Manchmal sitzt man im Theater und denkt: Das kann doch nicht wahr sein. Ein Karussell-Ausrufer aus Budapest, geboren Ende der 1880er, gestorben 1909, rührt einen zu Tränen. Liliom heißt er, ein Gauner mit großen Augen und…
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Kritik zu Ferenc Molnárs „Liliom“ am Berliner Ensemble

Kann ein Gewalttäter erlöst werden? Ferenc Molnárs „Liliom“ stellt diese existenzielle Frage mit katholischer Metaphysik und Rummelplatz-Romantik. Christina Tscharyiskis Inszenierung am Berliner Ensemble verwandelt das Jenseits in rosa Pastelltöne und macht aus Kyrre Kvam einen modernen Charon. Ein Stück über zweite Chancen in Zeiten, wo Berliner Theater um ihre Existenz bangen…
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Papa Leone – Der Prunk kehrt zurück

Während unser Abendessen köchelte, wurde Geschichte geschrieben: Nach nur einem Tag Konklave wählten die Kardinäle Leo XIV. zum Papst. Der erste Amerikaner auf dem Stuhl Petri, ein Augustiner aus Chicago mit Peru-Erfahrung. Passt er zu meiner Vision vom „Prunk-Papst“? Die ersten Zeichen sind vielversprechend. Ich musste schmunzeln. Nicht nur, weil ich…
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Papstwahl: Prunk gesucht!

Das Konklave findet im Vatikan statt. Es versammeln sich die rot-gewandeten Kardinäle mit großen Siegelringen, Pektoralen und in Chorklamotte im ewigen Rom, um hinter verschlossenen Türen. Sie wollen den neuen Stellvertreter Christi küren. Der bisherige Papst ist am Ostermontag 2025 aus der Welt geschieden und wurde bereits mit allem gebührenden Pomp…
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Merz‘ Machtverlust – Eine politische Zäsur

Um 11:07 Uhr fiel der Satz, der in die Geschichte eingehen wird: „Der Abgeordnete Friedrich Merz hat die erforderliche Mehrheit nicht erreicht.“ Mit diesen Worten konstatierte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) das beispiellose Scheitern eines Kanzlerkandidaten im ersten Wahlgang. Merz steht nun entblößt da – ein Parteivorsitzender ohne Amt und ohne Macht.…
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Requiem für eine Kirche

Die St. Hedwigskathedrale öffnete am 1. Mai, dem Fest des heiligen Joseph des Arbeiters (seit 70 Jahren), ihre Pforten für das Pontifikalrequiem des verstorbenen Papstes Franziskus. Die Feierlichkeit fand nur Tage nach dem exklusiven Requiem der Bischofskonferenz statt, das der gewöhnliche Gläubige lediglich aus der Ferne bestaunen durfte. Mir ist das…
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Requiem für einen Pontifex

Berlin, Unter den Linden. Die Frühlingssonne legt einen goldenen Schimmer über die Prachtstraße, während die Wärme den Asphalt zum Flimmern bringt. Die umliegenden Straßen sind menschenleer, abgeriegelt von Polizeibeamten, die zu allem bereit schienen. Die St. Hedwigskathedrale erhebt sich in majestätischer Isolation, während der übliche Großstadtlärm im Schatten der Staatsoper verstummt.…
Das Theater
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„Was ihr wollt“ im Berliner Ensemble

Am Berliner Ensemble zeigt Regisseur Antú Romero Nunes seine Version von Shakespeares „Was ihr wollt“. Es wird zum generationenverbindenden Theaterabend, das die Grenzen zwischen Verwechslungsspiel und Insta-Ästhetik verwischt. Mit der Besetzung gelingt dem BE eine präzise und trotzdem zugängliche Inszenierung. Die Bühne von Matthias Koch kommt ohne opulente Requisiten aus, stattdessen setzt Nunes auf…
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Ökonomie des Mitgefühls: Brechts Bettler-König Peachum über Berlins Straßen

Mitleid nutzt sich ab – das weiß schon Jonathan Jeremiah Peachum, Bettler-Großunternehmer in Bertolt Brechts Dreigroschenoper. Doch es gibt Leid, das sich nicht abnutzen lässt: transformatives Leid, das einen Menschen dauerhaft verändert. Eine Theaterbetrachtung über Barrie Koskys Inszenierung des Brecht-Klassikers am Berliner Ensemble – und die einprägsame Spielweise Tilo Nests, der Peachums kalte Ökonomie…
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Liliom: Ein Gauner im Fegefeuer

Ferenc Molnárs „Liliom“ am Berliner Ensemble berührt das Herz und wirft zugleich gewichtige Fragen auf. Manchmal sitzt man im Theater und denkt: Das kann doch nicht wahr sein. Ein Karussell-Ausrufer aus Budapest, geboren Ende der 1880er, gestorben 1909, rührt einen zu Tränen. Liliom heißt er, ein Gauner mit großen Augen und noch größeren Träumen.…
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Kritik zu Ferenc Molnárs „Liliom“ am Berliner Ensemble

Kann ein Gewalttäter erlöst werden? Ferenc Molnárs „Liliom“ stellt diese existenzielle Frage mit katholischer Metaphysik und Rummelplatz-Romantik. Christina Tscharyiskis Inszenierung am Berliner Ensemble verwandelt das Jenseits in rosa Pastelltöne und macht aus Kyrre Kvam einen modernen Charon. Ein Stück über zweite Chancen in Zeiten, wo Berliner Theater um ihre Existenz bangen müssen. Ferenc Molnárs…
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Der überalterte Newcomer Friedrich Merz

Kann ein fast Siebzigjähriger die Geschicke des Landes leiten und die Probleme der Menschen verstehen? Mit 69 Jahren steht Friedrich Merz an der Schwelle zum Kanzleramt – ein Mann ohne Regierungserfahrung, der älter ist als fast alle seine Vorgänger. Ausgerechnet der Westen, der einst über greise Sowjetführer spottete, setzt nun auf einen politischen Rentner…
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Mein kleiner Widerstand gegen Berlins Kulturvernichtung

Vor einigen Wochen habe ich mich entschlossen dem Freundeskreis des Berliner Ensemble beizutreten und dem Haus nicht nur durch ein Abo meine Zuneigung auszudrücken. Es war ein Abend, als ich noch etwas in der Zeitschrift Theater Heute blätterte und mich entschlossen zeigte. Ich tippte auf dem Display meines Tablets, weich gebettet auf Kissen im…
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Formationslichter der deutschen Theaterlandschaft

Bekannterweise bin ich gern im Theater, und das Haus, dem meine besondere Verbundenheit gilt, ist das Berliner Ensemble. Das ist Hochkultur auf allerhöchstem Niveau. Hier sind einige Schauspieler vereint, die wohl zu den Besten des gesamten deutschsprachigen Raumes zählen. Die Wahrhaftigkeit wird hier durch die Maske des Schauspiels enorm gut erzeugt. Doch während der…
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Kollektiv als moderne Identität

Ein kleiner Fisch sollte es werden, ein Elefantengeschäft wurde daraus und am Ende steht die totale Transformation: Brechts mechanistische Verwandlung des Hafenarbeiters Galy Gay zum Soldaten der Kolonialmacht offenbart die Grausamkeit standardisierter Massenproduktion von Identitäten. Eine Analyse des fordistischen Menschen im militärischen Gewand. „Mann ist Mann“ im Berliner Ensemble. Gesellschaftliche Atomisierung und der Kult…
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Wenn Konzeptkunst zur Publikumsverachtung wird

Nach Jahren an der Berliner Volksbühne, die er maßgeblich prägte, inszeniert Frank Castorf nun als eine Art Regie-Rentner an verschiedenen Gastbühnen. Diesmal hat es das Berliner Ensemble getroffen – eine Begegnung, die man dem Haus gerne erspart hätte. Es gibt diese Momente im Theater, in denen sich die Frage stellt: Wem dient diese Inszenierung…
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Geometrie des Zweifels

Ein zehn Meter hoher schwarzer Würfel dominiert die Bühne des Berliner Ensembles, dreht sich wie ein gewaltiger Metaphernkörper und lässt durch seine Spalten kaltes Licht in den Zuschauerraum schneiden. In dieser geometrischen Präzision verhandelt das BE Jean-Paul Sartres „Die schmutzigen Hände“ als spektakulär-aktuelle Frage nach der Rolle des Intellektuellen zwischen Denken und Handeln. Historische…











