Interview mit zwei iPhones filmen

Mit zwei iPhones und anständigem Ton-Equipment können sehr stimmungsvolle und fokussierte Aufnahmen entstehen. In der Beschränkung auf enorm mobiles Equipment liegen viele Vorteile.

In dieser Kategorie schildere ich lose Umsetzungen ultra mobiler Produktionen oder Aufbauten. Gern möchte ich ein Setup darstellen, welches auf den ersten Blick seltsam aussieht. Häufig erlebe ich die Arroganz alter Medienmacher: “Da stehen die da bloß mit ‘nem Gimbal und einem iPhone.” Stimmt. Allerdings ist der hochmütige Duktus nicht angebracht. Wenn man weiß was man tut, kann man mit der besten Kamera der Welt – der die man immer bei sich hat – ausgezeichnete und sendefähige Videos erstellen.

In der politischen Berichterstattung muss es schnell gehen und meistens sind die Verhältnisse gut genug. Mit etwas eigenem Licht aus dem Akku und genügend Strom aus der Steckdose kommt man ziemlich weit.

Machen wir es konkret

Anlässlich der so genannten Berateraffäre, drehte ich Im Sommer mit einem Kollegen ein Interview mit Bewegtbild. Ort war das Büro eines hochrangigen Bundestagsabgeordneten im Paul-Löbe-Haus. Das Problem an diesen Büros ist, dass sie sehr klein und sehr warm sind. Vor allem die Wärme ist nicht zu unterschätzen, da Kameratechnik bei langem Betrieb gern mal in den Verweigerungsmodus geht – auch iPhone und Co. An diesem Tag liefen wir nicht in dieses Problem hinein, aber es war uns bewusst. Die Räume sind ziemlich gut gedämmt, weshalb der die Tonabnahme im Prinzip nie ein echtes Problem darstellt, wenn man halbwegs geeignete Technik nutzt.

Zur Tonabnahme kamen zwei AKG CK-97 Lavaliermikrofone an einem Zoom H4, mit je einem AKG MKG Adapter zum Einsatz, was die solide XLR-Technik ermöglicht. Der Ton wurde getrennt vom Bewegtbild aufgenommen.

Aufbau

Eine Schematische Darstellung des Aufbaus. Wir saßen über Kreuz (Ledersessel und Sofa), ein Kollege war als Techniker / Bediener dabei.

Ich möchte wenig über die Aufstellung sprechen, da dies sehr klassisch ist. Ein Interviewer und ein Gast, jeder hat ein Ansteckmikrofon und eine eigene Tonspur. Damit Übersprechen verhindert wird, sollten die Leute relativ weit auseinander sitzen. Wir hatten uns dafür entschieden den Zoom H4 hinter den Gesprächsteilnehmern zu platzieren, um lange Kabelwege zu vermeiden. In letzter Sekunde warfen wir den Plan aber um und legten ihn hinter die Kameras. Warum? Ganz einfach: Das Audiomonitoring hat Vorrang. Kratzen an den Mikrofonen oder das gefürchtete 50-Hertz-Brummen, ein leerer Akku oder falsch gepegelter Ton sind eine reale Gefahr. Somit haben wir jeweils 10 Meter lange XLR Kabel eingesetzt und natürlich in 48kHz / 24 Bit / WAV aufgezeichnet.

Als große Lichtquelle konnten wir die große Fensterfront nutzen, haben aber noch ein kleines und handliches Akku-Licht (Manfrotto Pixie) verwendet sowie einen Reflektor positioniert. Weil Licht mit das wichtigste ist, haben wir auch die Deckenleuchten im Büro genutzt – kurz alles was möglich war, hat den Raum erhellt.

Video aufnehmen

Das Video wurde wie immer mit Filmic Pro aufgenommen – auf beiden Geräten. Zum Einsatz kam das Profil Log V2 und als Auflösung haben wir uns für 2K in “Filmic Extreme” entschieden. Das hatte den praktischen Gedanken, dass der Speicher begrenzt ist und die Datenmenge auch wieder irgendwie auf einen Schnittrechner muss. Publiziert wurde das Material dann auch in 2K.

Im Schnitt gab es die große Überraschung: Eine Stunde 2K Filmic Extreme Videomaterial ist ziemlich groß und so einen Block kriegt man schwer vom iPhone. Per Cloud oder AirDrop kann man es gleich vergessen, die einzig praktikable Lösung ist es per Lightning (USB 2.0) vom Gerät zu bekommen.

Einen filmischen Look bekam das Material trotz der kleinen Linsen in der Postproduktion. Wir haben keine zusätzliche optische Hardware benutzt.